Infoseite

 

 TonZeichen gratuliert Katharina Dohmen zum Bachelor. 

 

27.06.2016 - TonZeichen mit Katharina

Im Herbst des letzten Jahres erreichte uns die Anfrage von Katharina Dohmen, einer Studentin der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf, die sich im Studium mit  Gehörlosigkeit und Gebärdensprache befasste und auf unsere Gruppe im Internet gestoßen war. Singen war immer ein wichtiges Element in ihrem Leben, und in ihrem Studium befasste sie sich mit der Entwicklung und Förderung gesangspädagogischer Angebote für Hörgeschädigte und Gehörlose, die auch das Thema ihrer Bachelor-Arbeit „Fühl mal, wie du klingst“ sind. Wir hatten eine wunderbare Zeit zusammen, weil Katharina eine Gruppe suchte, die nicht nur gebärdete, sondern auch selber sang, und wir freuten uns, weil Katharina mit jedem einzelnen Gebärdensänger und der ganzen Gruppe intensiv Stimmbildung betrieb und uns in Fragen des Auftritts beriet. Am 27. Juni war ihre Gesangsprüfung im Partikasaal der Musikhochschule, und TonZeichen freute sich über das Konzert mit Arien von Händel, Bach, Mozart und Weber und Liedern von Bottesini, Clara Schumann, Wolf und Bernstein. Wir wünschen Katharina viel Erfolg beim Masterstudium, viel Erfolg als Sopranistin und vor allem für ihre gesangspädagogische Arbeit. Da Deutschland im Bereich Hörschädigung und Singen immer noch ein Entwicklungs-land ist, kommt ihrer Arbeit eine besondere Bedeutung zu. Insofern freuen wir uns, dass diese Arbeit mit dem Deutschlandstipendium der Ewald-Horbach-Stiftung gefördert wird, und danken ihr herzlich für ihr Engagement für TonZeichen und ihre köstlichen selbstgebrannten Mandeln.

 

TonZeichen

 

ist eine Gruppe hörgeschädigter Menschen, die gleichzeitig singt und gebärdet. Das lautsprachbegleitende Gebärden ist dabei dem Singen gleichberechtigt. Mit diesem Konzept ist die Gruppe einzigartig und stößt bei ihren Auftritten auf großes Interesse und Begeisterung auch bei nicht hörgeschädigten Menschen.

 

2014

 

 

Der Gebärdensänger

Wenn man sich mit dem Thema „Musik und Hörschädigung“ befasst, findet man die Gebärdenchöre, die die Texte der Lieder, die zumeist über Tonträger eingespielt werden, in choreographierter Form gebärden. Auch im Familienkonzert beim letzten Beethovenfest in Bonn gebärdeten Gruppen aus verschiedenen europäischen Ländern ihre Lieder, während die Lieder von einem Essener Mädchenchor gesungen und dem Mahler Chamber Orchestra begleitet wurden. Als kleine Kostprobe durften die Zuschauer die Gebärden der ersten Strophe von „Der Mond ist aufgegangen“ erlernen und mit dem Gebärdenchor ausprobieren, wobei nicht vorgesehen war, dass die Zuschauer auch das Lied mitsangen, das geschah durch den Mädchenchor. Im Konzert fiel uns auf, dass vor allem viele aus dem italienischen Gebärdenchor die Worte des Liedes mit den Lippen formten, dabei aber stumm blieben, und wir fragten uns nach den Gründen. Natürlich waren die Gebärdenchöre von einer unglaublichen Präzision und einer überwältigenden Schönheit. Der Mädchenchor war perfekt, das Mahler Chamber Orchestra gehört weltweit zu den Spitzenorchestern. Hätte es gestört, wenn die Gebärdenden selber gesungen oder mit dem Chor mitgesungen hätten?

 

Viele Hörgeschädigte, vor allem ältere, haben mit Musik keine guten Erfahrungen gemacht. Häufig fand kein Musikunterricht statt, fiel aus oder wurde für überflüssig gehalten, und musikalische Aktivitäten beschränkten sich häufig auf Angebote mit Perkussionsinstrumenten, deren Handhabung für die musikalische Entwicklung natürlich sehr wichtig ist. Singen spielte meistens keine oder nur eine untergeordnete Rolle.  Eine Musikkultur, wie sie seit gut einem Vierteljahrhundert dank der von Dr. PaulWhittaker, O.B.E., ins Leben gerufenen Bewegung „Music and the Deaf“ in England praktiziert wird, hat es in Deutschland nie gegeben. Bei unseren Auftritten in England konnten wir uns von zahlreichen und vielfältigen musikalischen Angeboten für Hörgeschädigte überzeugen, und es ist selbstverständlich, dass ein Hörgeschädigter dort das Geigenspiel erlernen kann.

 

Aber auch in England machten wir die Erfahrung, dass Gruppen, die beim Gebärden selber sangen, aus dem Vor- oder Grundschulbereich kamen. Paul Whittaker, der von Geburt gehörlos ist und gegen viele Widerstände in Oxford ein Studium der Musikwissenschaft absolviert hat, erzählte, dass er nicht singen könne, was im Widerspruch steht zu der Begeisterung, die er auslöst, wenn er einem großen Saal singend und gebärdend ein Lied vermittelt.

 

Hier genau ist der Ansatzpunkt des Gebärdensängers, wie ihn TonZeichen versteht. Für den Gebärdensänger sind Singen und Gebärden eine untrennbare Einheit. Er betrachtet Singen als ein natürliches Bedürfnis und eine Fähigkeit, über die jeder Mensch verfügt. Er überträgt sein Singen in Bewegung und drückt den Inhalt seiner Lieder in Gebärden aus, die der Deutschen Gebärdensprache (DGS) entstammen und vielfach den Inhalt des Wortes oder Ausdrucks anschaulich wiedergeben. Es versteht sich dabei von selbst, dass nicht jedes Wort gebärdet wird, sondern der Gebärdensänger hier eine sinnvolle Auswahl treffen muß, die etwa vom Tempo des Liedes oder vom Satzbau innerhalb der Liedzeile bestimmt wird. Zur künstlerischen Arbeit gehört auch, harmonische Übergänge und Verbindungen zwischen den einzelnen Gebärden zu schaffen und Akzente zu setzen. Die Gebärden strömen gewissermaßen aus dem Gesang und sind von diesem nicht zu trennen. Dies zeigt sich, wenn TonZeichen neue Lieder einstudiert und beim ersten Singen spontan Gebärden entstehen, die dann später für die Gruppe festgelegt und in eine choreographierte Form gebracht werden. Und deshalb freuen wir uns, wenn bei unseren Offenen Singen unsere Zuschauer und Zuhören nicht nur mitsingen, sondern auch mitgebärden und sich so als Gebärdensänger fühlen können.

  

Künstlerische Leitung:

Ludger Schäfer, Dr. phil., studierte Deutsch, Englisch und Philosophie, unterrichtete Musik am Gymnasium und leitete bis zum Erreichen des Ruhestands die Ausbildung der Kinderpflegerinnen am Rheinisch-Westfälischen Berufskolleg für Hörgeschädigte in Essen, wo er auch die Popgruppe „MusikAG“gründete. Seit vielen Jahren singt er in der Kantorei der Kreuzkirche in Düsseldorf und musiziert regelmäßig mit den unterschiedlichsten Gruppen in Deutschland, England und Italien. Er arbeitet eng mit „Music and the Deaf“ in England zusammen und ist Mitglied der amerikanischen „Association of Adult Musicians With Hearing Loss“.

 

„Es war immer mein Wunsch, auch im Ruhestand meine Erfahrung an hörgeschädigte Menschen weiterzugeben und mit ihnen gemeinsam zu musizieren. Dabei spielen Ausbildung oder Vorer-fahrung keine Rolle, entscheidend ist die Freude am Singen in der Gruppe. Ich lade alle herzlich ein, bei TonZeichen mitzuarbeiten oder an einem unserer Offenen Singen teilzunehmen.“

11537

 

 

Nachruf

Mit Bestürzung erfuhren wir vom plötzlichen Tod Berengar Pfahls. Mit ihm verlieren wir einen Freund, der seit der Gründung unserer Gruppe durch seine großzügige Unterstützung unsere Probenwochenenden in der Bayerischen Musikakademie in Marktoberdorf und unsere Reisen nach Birmingham und London ermöglicht hat, um dort mit anderen Hörgeschä-digten zu musizieren. Wir freuten uns über sein reges Interesse an der Entwicklung unserer Gruppe und dass er immer Zeit fand, bei unseren Offenen Singen mitzusin-gen. Wir werden ihn schmerzlich vermissen.

 

 

 

Spenden:

 

TonZeichen dankt sehr herzlich der Berengar Pfahl GmbH und Frau Elisabeth Hoffmann für die großzügige finanzielle Förderung!